Das Geld ist wieder da — aber es verteilt sich anders
Das investierte Risikokapital steigt das fünfte Quartal in Folge, die Zahl der Runden aber kaum. Wer heute finanziert wird, bekommt mehr; wer nicht ins Raster passt, findet gar niemanden. Eine Auswertung von 96 Abschlüssen.
Es gibt Quartale, in denen mehr Geld in die Szene fließt als je zuvor und trotzdem mehr Gründerinnen und Gründer klagen als im Jahr davor. Dieses ist so eines. Im vierten Quartal wurden 141 Millionen Euro investiert, der höchste Wert seit 2022. Wer die Summe aufschlüsselt, findet allerdings keine breite Bewegung, sondern eine Handvoll großer Abschlüsse: Die drei größten Runden stehen zusammen für mehr als die Hälfte des Volumens.
Das ist keine Stimmungsfrage, sondern Arithmetik. Die Zahl der Abschlüsse ist im selben Zeitraum von 31 auf 36 gestiegen — um knapp ein Sechstel, während das Volumen sich fast verdoppelt hat. Anders gesagt: Es gibt wieder Geld, aber es kommt in größeren Paketen und bei weniger Empfängern an.
Die Mitte fehlt
Am deutlichsten zeigt sich das dort, wo früher der Normalfall war: bei Runden zwischen zwei und fünf Millionen Euro. Diese Größenordnung, klassischerweise die erste institutionelle Finanzierung nach der Frühphase, ist im Vergleich zu 2022 um ein Drittel zurückgegangen. Über und unter dieser Spanne hat sich wenig verändert. Wer sehr klein anfängt, findet weiterhin Business Angels. Wer bereits Umsatz zeigt, findet internationale Fonds. Dazwischen wird es eng.
„Wir hatten keine schlechten Zahlen. Wir hatten nur keine Zahlen, die in ein bestehendes Portfolio gepasst hätten.“
Eine Gründerin aus Oberösterreich, gegenüber dem StartUp Magazin
Diese Unterscheidung ist mehr als eine Feinheit. Eine Finanzierungslücke geht vorbei, wenn wieder mehr Kapital im Markt ist. Eine strukturelle Lücke bleibt, weil sie nicht am Geld hängt, sondern daran, wer entscheidet und nach welchen Kriterien. Welcher Anteil hier auf was entfällt, lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht beantworten — dazu müsste man wissen, wie viele Verhandlungen es überhaupt bis zu einer Prüfung geschafft haben.
Wie diese Auswertung entstanden ist
Grundlage sind 96 im laufenden Jahr öffentlich gemeldete Finanzierungsrunden mit Sitz der Gesellschaft in Österreich. Nicht enthalten sind Förderungen, Bankkredite und Runden, die von den Beteiligten nicht bekanntgegeben wurden — erfahrungsgemäß ein erheblicher Teil der Frühphase. Die Werte sind daher eine Untergrenze, keine Vollerhebung.
- Ausgewertete Runden
- 96
- Volumen gesamt
- 412 Mio. €
- Median
- 1,9 Mio. €
- Größte Runde
- 24,0 Mio. €
Was die Dauer über den Markt verrät
Die aussagekräftigste Zahl dieser Auswertung ist keine Summe, sondern eine Spanne: Zwischen dem ersten Investorengespräch und der Unterschrift liegen im Median sieben Monate. 2022 waren es fünf. Für ein Team mit Umsatz ist das ärgerlich. Für ein Team ohne Umsatz entscheidet diese Spanne darüber, ob die Runde überhaupt zustande kommt — weil das Geld währenddessen weiterläuft.
- In der Frühphase melden Teams durchschnittlich vier Absagen, bevor eine Zusage kommt; 2022 waren es zwei.
- Die Prüfungen sind gründlicher geworden: Kundenreferenzen und Vertragsunterlagen werden häufiger verlangt als noch vor drei Jahren.
- Wandeldarlehen werden inzwischen in fast jeder zweiten Frühphasenrunde eingesetzt — meist, um genau diese Wartezeit zu überbrücken.
Der Ausstieg bleibt die offene Flanke
Elf Exits im laufenden Jahr, alle als Übernahme, keiner über die Börse. Das ist für sich genommen keine schlechte Nachricht — Übernahmen sind der übliche Weg. Es heißt aber, dass Kapital, das hier investiert wird, überwiegend an strategische Käufer aus dem Ausland zurückfließt. Wer daraus einen Standortnachteil ableiten will, sollte dazusagen, dass die Alternative — ein Börsengang aus dem heimischen Ökosystem — seit vier Jahren aussteht.
Für die kommenden zwei Quartale ergibt sich daraus ein unspektakuläres Bild. Das Volumen dürfte weiter steigen, solange die großen Runden kommen. Die Zahl der finanzierten Teams wird das nicht im gleichen Maß tun. Wer daraus eine Prognose machen will, landet bei einer Zahl mit einem Plus davor — und bei der Einsicht, dass diese Zahl das Wesentliche nicht erfasst.